Fasching

gratis Counter by GOWEB
Besucher:

Clemens 

Faschingspredigt

am

     11.02.2018

      in  St. Bonifatius 

             Gehrden

Kaum ist vorbei der Nikolaus, da steht der Fasching schon ins Haus! Der Höhepunkt der Faschingszeit - des einen Freud, des andern Leid! Dieweil die einen gerne feiern, nicht nur am Rhein, Niedersachsen u. in Bayern - gibt‘s Faschingsmuffel, wie ich weiß, weil‘s Tanzen treibt bekanntlich Schweiß! Sind beide Lager mir willkommen! Doch merk ich jetzt, bin ganz verstört, zum Anstand primitiv gehört, das ich euch erst einmal begrüße - geziemend wären Böllerschüsse, weil ihr auch heute seid gekommen! Ich grüß euch alle, ganz egal, ob jung, ob alt, ob oben kahl - halt alle, die sich eingefunden, in meinen Gruß seid eingebunden! Heut‘ lös‘ ich einen Vorsatz ein, drum soll dies unser Thema sein: Das Alter!  Dies bringt ohne Frag nicht selten Krankheit, Müh und Plag! Ich zähl‘ hier auf so manch Problem:  So ist‘s gewiss nicht angenehm, wenn nachlässt oft das Augenlicht und Runzeln mehr‘n sich im Gesicht, wenn minder wird auch das Gehör, so dass man gleich fast einem Stör, und ein ums andre mal dann fragt: „Herr Nachbar, bittschön, was ham‘s gesagt?“ Wenn grad wir Männer stellen fest, was einfach sich nicht ändern lässt: Die Scheitel werden merklich breiter, entwickeln sich vielleicht noch weiter zu einer ausgewachsnen Glatze, so dass drauf ausrutscht selbst ne Katze! Und schaut man in den Spiegel rein, wird‘s früher oder später sein, dass übern Rücken fährt ein Schauer: „o Clemens, die Haar‘ werd‘n immer grauer! Oft plagt ja auch das Zipperlein mit Schmerzen bis in die Füß‘ hinein, so dass, gleichsam als drittes Bein, ein Stock muss dann die Stütze sein! Hat jeder wohl genug an Plagen!  Dagegen hilft gewiss kein Klagen, kein Jammern bringt dir Linderung, es macht dich jedenfalls nicht jung! Einziges Mittel , lang zu leben - ist:  alt zu werden - so ist es eben! Es bietet Stoff zum Schmunzeln viel ein Wort, zitiert frei nach Musil: „Es lockt zum Schmuggeln keine Grenze wohl mehr, als grad die Altersgrenze!“ Nimm‘s Alter doch gelassen an, denn ändern kann man doch nichts dran! Ich geb‘ dir drum den guten Rat - das Klügste wäre in der Tat: Mach‘s Beste aus dem Alter doch! Da gibt es Hobbys noch und noch! Warum denn ständig Trübsal blasen? Bleib lieber hoffnungsvoll gelassen! Was ich im Vers dir hier jetzt sag‘, nimm‘s mit in jeden neuen Tag: „Es macht nicht alt die Zahl der Jahre, alt macht auch nicht das Weiß der Haare, alt ist, wer den Humor verliert und sich für nichts mehr intressiert!“ Und werden auch die Füß‘ schnell kalt, so bist solange du nicht alt, solange du nicht schaltest ab, denn Interesse hält auf Trab! Mit Interesse ist gemeint, dass etwa, wenn die Sonne scheint man könnte draußen etwas garteln, wenn‘s kalt ist, drinnen etwas karteln, mit Enkelkindern - so vorhanden, besuchen rundum die Bekannten, zur Messe gehn erst noch am Morgen, um Gott zu sagen seine Sorgen! Und nach dem Frühstück Zeitung lesen, was in Welt und Gehrden so gewesen, ja, auch Vereine und Pfarrei wär‘n sicher nicht der letzte Schrei! Du könntest deine Fähigkeiten als Angebot gut unterbreiten, und die Erfahrung deines Lebens wär nicht passé und nicht vergebens! Mach selber einen Reim dir drauf, es gibt Ideen doch zuhauf! Wenn ich jetzt nur von Ihm gered‘t, auch noch die Frau zu Buche steht! Im Allgemeinen hält nicht feil sie Nichtstun und die Langeweil, da sie der Haushalt hält auf Trab, so dass die Zeit oft wird schon knapp, gar sehr die Arbeit in der Küche, wo sie diverse Wohlgerüche in Soßen zaubert und in Suppen, dazwischen staubt sie ab die Puppen, dazu steht noch auf dem Programm das Fensterleder und der Schwamm, dass alles glänzt und gut poliert dem Gast im Ernstfall imponiert! Warum soll man es hier nicht auch verhehlen: Ein Schwätzchen tut bestimmt nicht fehlen - so übern Zaun und Korridor! Und abends geht sie noch zum Chor! Ganz müde sinkt sie dann ins Bett, schläft fast schon ein beim Nachtgebet! Hier füg‘ ich ein noch einen Satz: Für manchen süßen kleinen Fratz ist grad die Oma oft ein Segen! Sie lehrt nicht selten ihn das Beten, lehrt Anstand ihn und gutes Reden! Auf Fragen sie gern Auskunft gibt, die Oma ist doch sehr beliebt, sie ist, so las ich ohne Spott, jetzt „eine Mutter, die von Gott ‚                                                                           ne zweite Chance bekommen hat!“ Als Urgroßmutter in der Tat sie eine dritte Chance hat! Denk positiv, denn‘s Alter hat durchaus viel Gutes doch parat! Und kann es dann doch dazu kommen, und solches trifft sogar die Frommen, dass dir die letzten Kräfte schwinden, dich Tag und Nacht die Schmerzen schinden, dass aufgebraucht die Energie - so bitt ich dich: Vergiss dann nie: Auch dann hat‘s Leben einen Sinn, auch dann bist du noch ein Gewinn, bist wertvoll noch für Kirch und Welt, weil vor dem Herrgott durchaus zählt, was an Geduld du ab dir ringst, an Schmerzen Ihm als Opfer bringst! Bei Ihm bist niemals abgeschrieben, selbst wenn dir nur noch Leiden blieben! Ich hab jetzt seitenweis gedichtet, mein Wort an alte Leut‘ gerichtet, und will nun doch noch ganz schnell streifen und ein Problem konkret aufgreifen, ich mein‘s Verhältnis alt und jung! Für alles gibt‘s ne Versicherung, doch nicht fürs menschliche Verstehn!  Man sollte aber nüchtern seh‘n: Es ist schon immer so gewesen und immer wieder nachzulesen: „Die Zeit ist längstens nicht mehr das, was sie einst war!“  Und noch etwas: „Die Kinder folgen gar nicht mehr! - das schmerzt die Eltern aber sehr!“ Jetzt ratet, wann dies ward geschrieben! 5000 Jahr ist‘s her, ihr Lieben! Soo neu ist das Problem gar nicht von dem doch unsre Zeit viel spricht! Es ist der Zeitgeist hier und heut, der, besonders über ält‘re Leut, viel schneller, als es sonst der Fall - ich möcht‘ fast sagen überall - hinwegbraust wie ein Orkan, sie kommen nicht dagegen an. Und sie versteh‘n die Welt nicht mehr! Drum ist es eben doppelt schwer, dass Jung und Alt auf gleicher Schiene im Gleichklang gehn, auf gleicher Linie! Da hilft nur eines: Rücksicht nehmen! Wozu wir zu dem Stichwort kämen, und zwar zum Stichwort: Toleranz! Das ist gar oft ein schwerer Tanz! Für beide Seiten muss es gelten, selbst wenn dazwischen liegen Welten! Lasst doch den anderen besteh‘n, verurteilt nicht, versucht zu versteh‘n! Kann keiner raus aus seiner Haut! Als Lösung sei euch anvertraut: Die Lieb sei des Kolumbus Ei und nicht die Besserwisserei! Ihr Älteren stellt euch drauf ein: Es könnt‘ am End‘ genauso sein, wie mir ein noch Älterer mit Runzeln gesagt hat mit verschmitztem Schmunzeln: Im Alter schwinden hin all Sinn, es nimmt nur zu der Eigensinn! Ich komme jetzt ganz jäh zum Schluß, nicht ohne einen lieben Gruß an alle Freunde auch zu Haus! Ich spreche diesen Wunsch noch aus: Gott mög die Alten und die Jungen segnen, und ihr mögt einander gut begegnen! Ich wünsch euch allen recht viel Freud, den jungen und den alten Leut! In diesem Sinn: Kind, Opa, Oma, Mann u. Frau ein christlich kräftiges: Helau! Amen.